|
Hanns Eisler – zur Person
geboren am 6. Juli 1898 in Leipzig
gestorben am 6. September 1962 in Berlin (DDR)
Hanns Eisler war Schüler von Arnold Schönberg. Er schrieb seine Musik für Berliner Arbeiterchöre und die Hollywooder Filmindustrie, für avantgardistische Musikfeste und kommunistische Parteitage, für Radio, Bühne und Kabarett. Eisler arbeitete mit Bertolt Brecht, Charlie Chaplin und Theodor W. Adorno, er komponierte Klavier-, Kammer- und Orchestermusik, über 500 Lieder und eine Nationalhymne …mehr

Auszug aus dem Artikel "Hanns Eisler"
von Johannes C. Gall im Komponistenlexikon
(2. Auflage, Metzler/Bärenreiter, 2003)
Das musikalische Schaffen Hanns Eislers präsentiert sich in einer kaum überschaubaren stilistischen Vielfalt. Bestrebungen, vor allem in einem bestimmten musikalischen Typus oder nur in exemplarischen Werken den ›eigentlichen Eisler‹ erkennen zu wollen, müssen ihn insofern notwendig verfehlen.
Wohl distanzierte Eisler sich gegen Ende der zwanziger Jahre von der ästhetischen Haltung eines ›l’art pour l’art‹ und unterstellte sein musikalisches Schaffen gesellschaftlichen Zwecken. Als Marxist erblickte er diese Zwecke im Klassenkampf, den Interessen des Proletariats sowie dem Aufbau und Wohlergehen einer sozialistischen und schließlich kommunistischen Gesellschaft. Die musikalischen Mittel solchen Zwecken anzupassen bzw. diese Mittel überhaupt erst zu finden betrachtete Eisler als seine vorrangige kompositorische Aufgabe.
Sein gesellschaftlicher Anspruch und die musikalischen Lösungen, die Eisler fand, haben denn auch mehr als alles andere ihn und sein Werk unter der Losung ›politische Musik‹ in die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts eingehen lassen. Ausgerechnet diejenigen aber, die sich die politischen Zwecke, für die Eisler einstand, auf ihre Fahnen geschrieben hatten, […] begegneten ihm oftmals mit einer allzu engen Auffassung. Wurde er vor allem als Komponist einflussreicher Massen- und Kampfmusik in den späten zwanziger und frühen dreißiger Jahren, als kongenialer Mitarbeiter Bertolt Brechts und als musikalischer Urheber der DDR-Nationalhymne […] hoch geschätzt – bzw. von der Gegenseite diffamiert – so wollte man den Musterkomponisten überdies auf ästhetische Kategorien wie ›realistisch‹ oder ›antiformalistisch‹ festlegen – Kategorien, denen Eisler in ihrer doktrinären Form mit Skepsis gegenüberstand und deren problemlose Anwendbarkeit auf Musik er bezweifelte. So geriet schon zu Eislers Lebzeiten ein wesentlicher Teil seines kompositorischen Schaffens ins Abseits und in Vergessenheit. […]
1940-42 konnte Eisler mit Geldern der New Yorker Rockefeller Foundation ein Forschungsprojekt durchführen, aus dem eine Art ›Kunst der Fuge‹ der Filmmusik resultierte. Sie demonstriert nicht nur die filmische Eignung neuen musikalischen Materials sowie die Bandbreite filmmusikalischer Funktionen, sondern auch sachgerechte Konzepte für in sich stimmige musikalische Formen im Film (auch als Auslese des tradierten Formenkanons), die wiederum konzertmusikalische Adaptionen erlaubten. Darunter sind die elektrische Instrumente einbeziehende Kammer-Symphonie (1940) und das Quintett (mit der instrumentalen Besetzung von Schönbergs Pierrot Lunaire) Vierzehn Arten den Regen zu beschreiben op. 70 – zwei zwölftontechnische Kammermusikwerke, die zu Eislers komplexesten und avanciertesten Kompositionen zählen. Deren filmischer Bezug zu dem Dokumentarfilm White Flood und Joris Ivens’ Filmstudie Regen ist in dem gemeinsam mit Adorno verfassten Buch Komposition für den Film erläutert. […]
|