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Der Editionsleiter Noten der Hanns Eisler Gesamtausgabe, Prof. Dr. Thomas Phleps, ist am 5. Juni 2017 im Alter von 61 Jahren ganz plötzlich und unerwartet verstorben. Phleps, der 1995 auf eine Hochschuldozentur für Musikpädagogik an die Justus-Liebig-Universität Gießen berufen wurde und dort seit 2003 als Professor für Musikwissenschaft und Musikpädagogik tätig war, legte seinen Arbeitsschwerpunkt auf die Musik des 20. Jahrhunderts, insbesondere auf die politische Musik. Das verband ihn mit dem Komponisten Hanns Eisler, über den er bereits 1987 seine Promotion Hanns Eislers „Deutsche Sinfonie“. Ein Beitrag zur Ästhetik des Widerstands verfasst hatte. 1996 trat er der Internationalen Hanns Eisler Gesellschaft bei, 2010 übernahm er die Leitung der Gesamtausgabe.

Wir verlieren mit Thomas Phleps einen langjährigen Verbündeten in der Sache Hanns Eisler. In Gedanken sind wir bei ihm und seiner Familie.

... Nachruf von Dr. Ralf von Appen/JLU Gießen

News

A-Cappella-Chöre bei Breitkopf & Härtel erschienen

Pünktlich zum 300. Jubiläum des Verlags Breitkopf & Härtel ist im Rahmen der Hanns Eisler Gesamtausgabe Band 5 der Serie I (Chormusik) erschienen: A-cappella-Chöre 1925–1932, herausgegeben von Johannes C. Gall.

Die in diesem Band vorgelegten Kompositionen für Chor a cappella machen Eislers sukzessive Politisierung nachvollziehbar. Bereits die Drei Männerchöre op. 10 nach Worten von Heinrich Heine etablieren ein zeitgemäßes gemeinschaftsmusikalisches Gegenmodell zur Innerlichkeit der Gesangsvereinstradition. In den Vier Stücken für Gemischten Chor op. 13 nach eigenen Texten heißt es programmatisch: »Auch unser Singen muss ein Kämpfen sein!«. Diesen Anspruch auf vokale »Kampfmusik« erfüllen insbesondere die Massenchöre – Stücke, die nicht mehr primär für die Aufführung im Konzertsaal konzipiert, sondern auf politischen Veranstaltungen und, so der Titel eines Demonstrationslieds für Chor und kleine Trommel, Auf den Straßen zu singen sind. Ihre Schlagkraft bezieht diese Kampfmusik aus dem treibenden Metrum und den aggressiven Rhythmen des Marsches, einprägsamer Melodik sowie einer zumeist auf lapidaren Dreiklangsfolgen beruhenden Harmonik – häufig mit kirchentonalem Einschlag und in rebellischem Mollcharakter.

Die vor allem für die Arbeiterbewegung der Weimarer Republik relevanten Kompositionen liegen bisher nur in verstreuten und zum Teil schwer greifbaren Einzelausgaben vor. Ein großer Gewinn des Bandes I/5 besteht daher nicht zuletzt in der erstmaligen vollständigen Zusammenstellung der Chorstücke aus den Jahren 1925 bis 1932.
(Johannes C. Gall)

Insbesondere für professionelle und semiprofessionelle Chorvereinigungen dürfte dieser Band eine echte Entdeckung sein – ein Schatz, der darauf wartet, klingend gehoben zu werden.
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